Ein Hobby verbindet die Region.
Ob lange oder kurze Strecken: Es braucht nicht viel, um mit dem Laufen anzufangen. Das Hobby wird in der Prignitz immer populärer. Warum wächst die lokale Läuferszene?
Ein Beitrag von Arne Schmidt im Nordkurier vom 23.09.2026.
Es ist wohl eine der zugänglichsten Sportarten überhaupt: Um mit dem Laufen anzufangen, ist nicht viel erforderlich. So ziehen sich viele Prignitzer regelmäßig ihre Turnschuhe an und laufen einfach los – über Felder und in Städten, auf Distanz oder nur für ein paar Minuten zwischendurch, schnell oder in einem eher gemächlichen Tempo. Altersübergreifend erfreut sich dieses Hobby momentan großer Beliebtheit, sodass sich eine richtige Läuferszene in der Prignitz entwickelt hat. Zudem finden über das Jahr verteilt viele Laufevents im Landkreis statt – auch dort wächst das Interesse, wodurch immer wieder neue Teilnehmerrekorde aufgestellt werden. Wir haben Lauffans gefragt, warum der Sport begeistert.
Laufen ist einfach und offen für jeden
Das Besondere am Laufsport ist, dass es kaum Voraussetzungen gibt, um mitzumachen, meint Sebastian Urbank. Er war der Organisator des diesjährigen Jahn-Gedenklaufs in Lanz und ist zudem selbst ein begeisterter Läufer. In der Gesamtwertung des Prignitz-Cups 2025 landete er auf dem 13. Platz, nachdem er sich an sieben Läufen beteiligt hatte. Der Prignitz-Cup ist eine jährliche Laufserie, bei der in zahlreichen Prignitzer Gemeinden und Kommunen Laufveranstaltungen ausgerichtet werden. In diesem Jahr fanden im Rahmen der Serie bereits sechs Läufe statt – zwei kommen noch.
Mittlerweile ist Urbank so eingelaufen, dass er sich nicht mehr groß auf Läufe vorbereiten muss. So läuft er nicht nur, wenn die Zeit gestoppt wird, sondern auch privat, um abzuschalten: „Ich versuche, ein- bis zweimal die Woche, eine kleine Runde an der Elbe zu drehen“, erklärte er kurz bevor er beim ersten LAGA-Lauf an die Startlinie trat. „Man muss nicht irgendwo ins Studio fahren, man ist örtlich ungebunden“, betont er die Vorteile des Laufens. Somit gehe eine große Freiheit damit einher, selbstbestimmt zu entscheiden, wie man das Hobby ausleben möchte.

Das private Joggen wird in der Prignitz von Gruppen- und Wertungsläufen ergänzt, sodass die Läufer nicht nur alleine, sondern auch mit anderen, die die gleiche Leidenschaft teilen, zusammenkommen. So habe sich eine Gemeinschaft unter den Läufern entwickelt, meint Urbank. Dabei handle es sich nicht nur um einen kurzweiligen Trend: „Der Prignitz-Cup ist seit Jahren am Wachsen. Nach einer leichten Flaute haben wir jedes Jahr bei allen Läufen wachsende Teilnehmerzahlen“, erklärt er. Das Interesse ist dementsprechend groß: Beispielsweise konnte der neue LAGA-Lauf, der jüngst zum ersten Mal stattfand, auf Anhieb rund 350 Teilnehmer anlocken.
Dieser Ortsvorsteher ist auch Marathonläufer
Ein weiterer Faktor, der das Laufen in der Prignitz begünstigt, ist die Geografie der Region: Das Land ist flach und es gibt viele ebenerdige, weitläufige Laufstrecken. Der Glöwener Ortsvorsteher Christopher Teschner meint zudem, dass die hiesige Veranstaltungskultur zur Popularität des Laufsports beigetragen hat. Auch er habe die Beobachtung gemacht, dass der Glöwener Einheitslauf in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen ist. Wie Urbank beteiligt sich auch Teschner mit viel Enthusiasmus am Prignitz-Cup. Er ist in diesem Jahr schon fünfmal an die Startlinie getreten.

„Ich finde es spannend, dass man merkt, wozu der Körper eigentlich alles fähig ist“, erklärte er seine sportliche Begeisterung bei einem Gespräch mit unserer Redaktion im Frühjahr. Damals übernahm er eine Etappe bei einem insgesamt 195 Kilometer langen Staffellauf quer durch die Prignitz. Zehn weitere Cup-Organisatoren beteiligten sich ebenfalls streckenweise, sodass alle Austragungsorte der Laufserie einmal abgelaufen wurden.
Teschner ist davon überzeugt, dass das gemeinsame Laufen in der Region Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn stiftet. Besonders freut ihn, dass die verschiedenen Laufveranstaltungen Menschen aller Altersklassen ansprechen. So habe er schon Läufer gesehen, die älter als 90 Jahre alt waren. „Da habe ich immer einen großen Respekt vor“, meint er. Er ist stolz auf das offene Klima, das beim Prignitz-Cup immer an oberster Stelle stehe – jeder läuft so schnell er kann und am Ende zählt nur die Freude am Sport.„Ich sage immer, die Läuferszene ist wie ein großer Freundes- und Familienkreis. Alle gehen sehr wertschätzend miteinander um“, so Teschner.
So sieht eine gesunde Laufkultur aus
Ein entscheidender Erfolgsfaktor der Prignitzer Laufserie sei zudem das Miteinander unter den Cup-Organisatoren. „Wir haben zurzeit die richtigen Akteure“, erklärt Glöwens Ortsvorsteher. „Alle wollen etwas bewegen, und es gibt keinen Veranstalter-Neid untereinander, wie man das aus manchen anderen Regionen kennt.“ In der Prignitz gibt es ein stilles Einverständnis: „Alle arbeiten dafür, dass jeder Lauf ein Erfolg wird“, führt Teschner aus.
Diese Harmonie sei demnach das Geheimrezept, welches die Läufe auch für die Teilnehmer attraktiv macht. Zumal er auch betont, dass insbesondere die rege Beteiligung von Ehrenamtlern und die Zusammenarbeit mit Gemeindevertretern eine unabdingbare Voraussetzung für eine gute Laufkultur seien.
So hofft er, dass weitere Ehrenamtler gewonnen werden können, damit die diversen Läufe – der organisatorische Aufwand wächst mit den Teilnehmerzahlen – noch größer werden können. Außerdem ist es ein langfristiges Ziel der Cup-Organisatoren, die Prignitzer Jugend schon früh für den Laufsport zu begeistern. So soll die Szene über viele Generationen weiterwachsen und die Prignitz eine richtige Läuferregion werden.
Quelle: https://www.nordkurier.de/regional/prignitz/warum-so-viele-prignitzer-gerne-laufen-4886078
